Was wir sehen

Auch wenn es heute nicht mehr ganz korrekt ist, ist es für uns hilfreich, die Welt des Lebendigen in fünf sogenannte „Reiche“ einzuteilen:

  1. Bakterien (haben keinen echten Zellkern; man unterteilt sie in Archebakterien, aus denen vermutlich die Tiere herborgegangen sind, und Eubakterien)
  2. Protisten (sind eine heterogene Gruppe von Ein- und Wenigzellern)
  3. Pilze (gehören nicht, wie viele meinen, zu den Pflanzen, denn sie betreiben keine Photosynthese, sondern ernähren sich wie Tiere von organischem Material)
  4. Pflanzen (verfügen über Chlorphyll, und produzieren organischen Verbindungen mit Hilfe des Sonnenlichts, Wassers und Kohlendioxids aus der Atmosphäre, sowie Nährstoffen aus dem Boden oder dem Wasser; sie scheiden dabei Sauerstoff aus, den wiederum die Tiere atmen)
  5. Tiere (ernähren sich von Pflanzen, anderen Tieren, Pilzen und Protisten).

Die Bezeichnung „Protisten“ ist insofern gegenüber den anderen Reichen nicht ganz korrekt, da es wissenschaftlich gesprochen, keine monophyletische Gruppe ist. Das heißt in anderen Worten, dass die „Protisten“ eigentlich aus sehr unterschiedlichen Gruppen bestehen, und man im Grunde daraus weitere „Reiche“ machen müsste. Für unseren Zweck ist es aber sinnvoll von „Protisten“ zu sprechen, und darunter die Einzeller und Wenigzeller zu verstehen. Es gibt sie mit und ohne Chlorophyll, also analog zu den Pflanzen und Tieren, überall auf der Erde, im Süß- und Salzwasser, im Boden, wie auch in anderen Lebewesen.

Die „Protisten“ mit Chlorophyll bezeichnet man auch als „Algen“, was etwas zur Verwirrung beiträgt, da es die große Gruppe der Algen gibt, die jede/r schon mal an den Stränden gesehen hat. Die fallen unter die Pflanzen, weil es makroskopische Vielzeller sind. „Algen“ sind aber auch keine einheiliche (monophyletische) Gruppe, sondern ein Sammelbegriff wie „Protisten“.

Die kein Chlorophyll enthaltenen Einzeller bezeichnet man als Protozoen, weshalb man sie früher zu den Tieren rechnete. Was es etwas komplizierter aber auch spannender macht, ist, dass manche Protozoen einzellige Algen aufnehmen, um so in den Genuss deren photosynthetischer Eigenschaften zu kommen.

Die einzelligen Algen, alleine oder in Gruppen, und Protozoen sehe ich ständig unter dem Mikroskop. Was die Mehrzeller angeht, so sind es häufig Rädertiere, eine spannende, schon sehr differenzierte Gruppe. Daneben gibt es die Fadenwürmer (Nematoden), die man immer findet, Gliederwürmer und größere Organismen wie Wasserflöhe, Hüpferlinge und Muschelkrebschen. Die letzteren drei muss man aber schon zu den Tieren rechnen.

Natürlich kann man sich als Mikroskopiker auch mit Pilzen beschäftigen oder mit Pflanzen, von denen man Schnitte anfertigt, die meist gefärbt werden. Aber auch anorganische Materialen wie Kristalle und Schliffe von Steinen können spannend sein. Aber das mache ich nicht vordringlich. Ich habe bisher lediglich ein Bild von Zuckerkristallen im polarisierten Licht auf dieser Webseite eingestelllt.